Die Kräuterspirale – das Gewürzregal im Garten

Grillen gehört zum Sommer wie die Bienen auf bunte Blüten. Und im eigenen Garten ist es am schönsten. So werden Grillgut und Beilagen selbst eingelegt und zubereitet; hierfür machen sich frische Kräuter am besten: Majoran, Thymian und Bohnenkraut ans Fleisch, Oregano oder Majoran an den Tofu, Basilikum auf die Tomaten, Rosmarin an die Folienkartoffeln und Schnittlauch samt Petersilie in den Salat. All diese Kräuter haben bestimmte Ansprüche an den Boden, die am einfachsten in einer gut angelegten Kräuterspirale bedient werden.

Permakultur Kräuterspirale

Die Kräuterspirale oder Kräuterschnecke wurde 1978 vom Australier Bill Mollison entwickelt, der in den Sandmustern der Aborigines seine Inspiration fand. Sein Ziel war es, ein nachhaltiges und naturnahes landwirtschaftliches System zu schaffen als Gegenentwurf zum industriellen Agrarsystem. Die Kräuterspirale ist also ein Beweis für eine funktionierende Permakultur:

Permakultur ist das bewusste Design sowie die Unterhaltung von landwirtschaftlich produktiven Ökosysteme, die die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Die Philosophie hinter Permakultur ist eine Philosophie, die mit und nicht gegen die Natur arbeitet, eine Philosophie, der fortlaufenden und überlegten Observation und nicht der fortlaufenden und gedankenlosen Aktion; sie betrachtet Systeme in all ihren Funktionen, anstatt nur eine Art von Ertrag von ihnen zu verlangen, und sie erlaubt Systemen, ihre eigenen Evolutionen zu demonstrieren. Bill Mollison

Der perfekte Standort

Für einen naturnah gestalteten Garten ist eine Kräuterspirale ein Gewinn. Einmal errichtet, erfordert sie wenig Pflegeaufwand, sie auch in kleineren Gärten problemlos unterzubringen und sie bietet Platz für Küchenkräuter. Der Bau der Spirale fordert etwas Planung, denn der Standort ist sehr entscheidend. Folgende Dinge sollten beachtet werden:

  • Der Durchmesser beträgt mindestens 2,5 Meter mal 2,5 Meter, die Höhe ungefähr einen Meter
  • Die Kräuter benötigen einen sonnigen Standort
  • Die Spirale läuft nach Süden aus, dort kann sich ein kleiner Teich befinden
  • Sie sollte von der Küche aus gut erreichbar sein
  • Im Rasen wirkt sie meist störend
  • Eine geschützte Lage neben einem Staudenbeet oder einer Sitzecke ist wichtig

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Kräuterspirale
Kräuterspiraleaus Gabionen

Was Pflanzen wollen – der Bau

Auf dem perfekten Standort wird nun ein Kreis mithilfe eines Pflocks und einer Schnur gezogen. Die gesamte Kräuterspirale benötigt ein begradigtes Fundament. Zuerst sollten hier ungefähr zehn Zentimeter Boden ausgehoben werden, die dann mit einer Kiesschicht gefüllt wird. Dieses Fundament dient gleichzeitig als Drainage und verhindert Staunässe. Nun kann die Mauer errichtet werden. Als Material eignen sich Natursteine oder Mauersteine, die als Trockenmauer versetzt aufeinander geschichtet werden. Da kein Mörtel verwendet wird, finden später Tiere wie Eidechsen oder andere Pflanzen ihren Platz in der Kräuterspirale. Für einen kleinen Teich im Süden werden gute 40 Zentimeter ausgehoben und mit Teichfolie ausgelegt. Alternativ erfüllt ein Maurereimer denselben Zweck.

Die Steine sollten eine leichte Neigung nach innen haben – aber gleichzeitig achten Sie darauf, dass auch ganz oben die Spirale ungefähr 60 Zentimeter breit ist. Die Mauer wird mir einer Schicht groben Schotters befüllt, wobei im Innersten diese Schicht bis zu 50 Zentimeter hoch ist und nach außen hin ausläuft. Das Ende der Kräuterspirale enthält nur Erde und Kompost, je weiter sie sich nach oben dreht, umso mehr Sand wird beigemischt, denn in der Spitze besteht die Erde zur Hälfte aus Sand. Bevor Sie die Kräuterspirale bepflanzen, warten Sie ein paar (Regen-)Tage ab, in denen sich die Erde setzt und die Spirale stabiler wird.

Eine ausführliche englischsprachige Beschreibung

Die Bepflanzung nach Zonen

Eine Kräuterspirale wird in vier Zonen unterteilt. Am unteren Ende befinden sich die Pflanzen, die viel Wasser und nährstoffreiche Erde benötigen, am oberen Ende die Kräuter, die es trocken und magere Erde brauchen. Die Aussaat ist im Frühling, gekaufte Pflanzen können jedoch das ganze Jahr über eingepflanzt werden, sofern der Boden frostfrei ist.

Wasserzone

Der Teich am Ende hält die Erde feucht und wirkt im Sommer temperaturmildernd. Bauen Sie ein leicht abfallendes Ufer aus Steinen, auf dem Tiere den Teich verlassen können. Pflanzen, die sich dort wohlfühlen, sind:

  • Brunnenkresse
  • Wasserminze
  • Bachungen
  • Kalmus
  • Wassernuss (direkt im Wasser)

Feuchtzone

Die Erde hier ist mit Kompost angereichert, die Kräuter wachsen im Halbschatten. Es sind typisch mitteleuropäische Bedingungen für folgende Pflanzen:

  • Petersilie (nicht direkt neben Schnittlauch oder Borretsch)
  • Estragon
  • Basilikum (nicht neben Majoran und Dill)
  • Kerbel (nicht neben Koriander)
  • Schnittlauch
  • Minze (wuchert stark, am besten mit einem Topf ohne Boden einpflanzen)
  • Dill (nicht neben Salbei)
  • Bärlauch

Normalzone

Die Übergänge zur Feuchtzone sind fließend, die Erde enthält mehr Humus und etwas Sand. Hier wachsen vor allem:

  • Oregano
  • Melisse
  • Koriander (nicht neben Kerbel)
  • Zitronenmelisse (wuchert stark, am besten mit einem Topf ohne Boden einpflanzen)
  • Pimpinelle
  • Kümmel
  • Borretsch (nicht neben Petersilie)

Trockenzone

In der Mittelmeerzone ist der Boden durchlässig und mager und kann mit Kalk angereichert werden. Hier wachsen mediterrane Kräuter besonders gut:

  • Salbei
  • Thymian
  • Majoran
  • Lavendel
  • Bohnenkraut
  • Kamille
  • Currykraut
  • Ysop

In der gesamten Spirale ungeeignet sind Kräuter, die sehr groß werden oder besonders lange Wurzeln bilden, die alles durchdringen wie Beinwell, Liebstöckel, Alant und Meerrettich.

Raus mit einjährigen Pflanzen?

Echte einjährige Pflanzen wachsen nur ein Jahr lang, vermehren sich und sterben dann ab. Andere als ein- oder zweijährige Pflanzen bezeichnete Kräuter wie Basilikum, Borretsch, Dill, Kerbel, Petersilie, Bohnenkraut, Majoran und Kapuzinerkresse sind aber meist so gezüchtet, dass ihr Ertrag nach einem Jahr deutlich zurückgeht. Sie sterben allerdings nicht ab, sondern können auch in den nächsten Jahren einen – wenn auch kleineren Ertrag – bringen und müssen nicht unbedingt ersetzt werden.

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Kräuterspirale
Wikipedia / CC-BY-SA-3.0

Permakulturgut.de

Pflege und Überwinterung

Der individuelle Wasserbedarf der Kräuter wird durch die Kräuterspirale fast von selbst geregelt. Im ersten Jahr gießen Sie die Pflanzen einmal wöchentlich von oben nach unten. Ab dem zweiten Jahr brauchen Sie nur noch bei Bedarf zu wässern und dann auch nur im unteren Teil, denn das Wasser wird von allein nach oben gezogen.

Im Winter bringen Sie alle nicht winterharten Kräuter wie Salbei und Rosmarin nach Drinnen, am besten pflanzen Sie diese samt Topf ein. Die restliche Kräuterspirale wird mit Wintervlies oder Reisig abgedeckt. Vergessen Sie auch im Winter das Gießen nicht!

Inspiration

Bei der individuellen Gestaltung und der Bepflanzung können Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen, wenn Sie die oben genannten Ratschläge beachten. Stöbern Sie doch mal zum Beispiel bei Pinterest nach schönen Kräuterspiralen!

Titelbild: Scott Akerman / https://www.flickr.com/photos/sterlic/4552863487

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